Film? Wieso um Himmels Willen Film?

April 18, 2016  •  1 Kommentar

Wir befinden uns im Jahr 2016 nach Christus. Die gesamte Branche der Fotografie wird durch digitale Techniken beherrscht. Die gesamte Branche? Nein, einige wenige unbeugsame Kreaturen hören nicht auf, den schnöden Digitalkameras Widerstand zu leisten. Sie nutzen Kameras, die älter sind als sie selbst, verwenden Zeit und Geld darauf Filme zu kaufen, die manchmal Platz für gerade mal 10 Bilder oder weniger bieten. Und warum das alles?
In den folgenden Zeilen werde ich versuchen, genau das zu erklären.

3 PolicemenWashington D.C. - aufgenommen mit ca. 60 Jahre alter Mittelformatkamera (Film: Fuji Neopan Acros)

Strahlendweiss ist eine Seite die sich vorehmlich der Hochzeits- und Eventfotografie verschrieben hat. Bei solchen Gelegenheiten nur mit Filmkameras zu fotografieren, würden die meisten Fotografen und wohl auch die meisten Kunden als geradezu irrwitzige Idee auffassen. Und das wohl auch mit Recht, denn auf Hochzeiten und Events geht es häufig doch recht hektisch zu. Die Kunden verlangen eine Vielzahl von guten Aufnahmen und im Gegensatz zur Filmfotografie bietet die digitale Technik die überaus beruhigende Möglichkeit, schon während der Arbeit zu kontrollieren, ob man auf dem richtigen Weg ist.

Aber ist das Thema Film damit obsolet?

 

Ich finde nicht. Im Gegenteil denke ich, dass die Filmfotografie nach wie vor eine faszinierende Technik ist, mit der sich wundervolle und manchmal geradezu magische Ergebnisses erzielen lassen.

MädchenIlford Delta 400 Mädchen 2Kodak TMAX 400 RuheGroßformat 4x5 - Fomapan 100

Doch nun mal der Reihe nach: Was soll denn an der Filmfotografie so besonders sein? Und was nützt mir das, wenn ich nach einer Hochzeitsfotografin (oder einem Fotografen) suche?

Zunächst einmal allgemein (denn die Vorzüge der analogen Fotografie betreffen nicht in jeder Hinsicht auch das spezielle Gebiet der Hochzeits- und Eventfotografie):

Wer mit Film arbeitet, entscheidet sich für eine Arbeitsweise, die langsam ist. Das Filmmaterial kostet Geld, muss entwickelt und ggf. gescannt werden und es müssen natürlich die Filmrollen in der Kamera gewechselt werden. Man drückt also fast schon automatisch nicht bei jeder sich irgendwie bietenden Gelegenheit auf den Auslöser und man macht also nicht unbedingt auf gut Glück 20 Aufnahmen von demselben Motiv.

Der hohe zeitliche und materielle Aufwand zwingt den Fotografen zur Sparksamkeit, zur Zurückhaltung und in damit in direkter Folge zum bewussteren Fotografieren. Man möchte einfach, dass sich der Einsatz lohnt, dass „jeder Schuss sitzt“ und das macht sich bei den Ergebnissen bemerkbar. Der Anteil der Bilder, mit denen man im Nachhinein zufrieden ist, wird so merklich höher. Und genau dieser Effekt ist für mich persönlich einer der Gründe, warum ich mich mit der alten Technik noch befasse.

Lichte ViaduktKodak Potra 160 konvertiert in schwarzweiß London EyeAdox CHS

Ein weiterer Grund, warum ich auch anderen Fotografen jederzeit dazu raten würde, sich wenigstens mal eine Weile mit analogen Kameras zu befassen, ist der Lerneffekt, der sich daraus ergibt. Das gilt vor allem für die wirklich alten Kameras, die über keinerlei Hilfen durch Automatiken verfügen. Bei diesen Geräten ist man gezwungen, sich über die richtige Belichtung selbst Gedanken zu machen und das führt zu einem tieferen und wesentlich ausgereifterem Verständnis der Zusammenhänge zwischen der Belichtungszeit, der Blende und der Filmempfindlichkeit. Dieses Wissen kann für Sie dann durchaus auch bei der digitalen Fotografie von Nutzen sein. Kircheninneres - Lichte, ThüringenRollei Retro 80s

 

 

Die Kameras

Durch die Verdrängung der analogen Technik sind alte analoge Fotoapparate gebraucht oft sehr günstig zu bekommen. Mit etwas Glück kann man sogar ehemalige Profigeräte für Preise ergattern, für die man im digitalen Bereich nur „Spielzeug“ bekäme. Und diese alten Dinger sind technisch und handwerklich gesehen eine wahre Pracht. Geräte, die (teilweise ohne Batterie) wie ein Uhrwerk funktionieren und so stabil gebaut sind, dass sie im Notfall auch als Nahkampfwaffe taugen würden. Niemand baut heute noch solche Kameras und ich bezweifle, dass von den heute verkauften Geräten in 40 Jahren noch viel mehr übrig ist als ein kleines Häufchen Elektroschrott.

Wer einmal durch den riesigen Schachtsucher einer Hasselblad 500, einer Mamiya RB oder einer Rolleiflex geblickt hat, wird bei der Nutzung der heute gebräuchlichen Schlüsselloch-Sucher kaum mehr in Begeisterung ausbrechen. Da wird man richtig verdorben.

 

StilllebenGroßformat 4x5 Fomapa 100

Und die Bildqualität?

Die Frage ist gerechtfertigt. Sie ist allerdings nicht ganz einfach zu beantworten, weil sich hier ein sehr gemischtes Bild zeigt. Die Ergebnisses werden durch sehr viele Faktoren beeinflusst, die man teilweise aus der digitalen Welt gar nicht mehr kennt.

Es gibt nicht nur unterschiedlich große Filmformate und natürlich unterschiedliche Optiken, sondern auch noch dutzende verschiedene Filmmaterialien, die für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke geeignet sind. Bei der Entwicklung der Filme kann man die Ergebnisse durch den Einsatz verschiedener Techniken oder auch durch unterschiedliche Entwickler stark beeinflussen. Und falls zu guter Letzt auch noch eine nachträgliche Digitalisierung gewünscht ist, spielt die hierbei gewählte Technik nochmals eine große Rolle.

Je nach verwendetem Material und Technik kann die Bildqualität einer analogen Kamera bescheiden, ordentlich oder herausragend sein.

Flower PowerKodak Ektar 100 Flower PowerKodak Portra 160 - fällt Ihnen der Unterschied in der Farbwiedergabe im Gegensatz zu dem ersten Blumenbild auf?

Alte Kleinbildkameras (die mit den Filmen mit bis zu 36 Aufnahmen) kommen meiner Einschätzung nach mit der Qualität moderner digitaler Spiegelreflexkameras oder auch spiegelloser Systemkameras nicht mehr mit. Im Mittel- und Großformat sieht das aber anders aus. Zwar gibt es auch hier kaum die Möglichkeit, Aufnahmen bei Mondschein oder Kerzenschein zu machen, wie es moderne Digitale können. Dafür liefern insbesondere niedrig-empfindliche Filme bei größeren Filmformaten eine phantastische Auflösung, die das Niveau der heute gebräuchlichen sehr wohl Digitaltechnik erreicht oder sogar übertrifft.

Außerdem punkten analoge Kameras nicht nur durch Schärfe oder Bilddynamik, sondern sie bieten teilweise auch einen Look, der mit digitalen Kameras schwer oder manchmal vielleicht sogar gar nicht nachzuahmen ist. Womit wir dann auch beim letzten Aspekt wären, den ich hier behandeln will.


 

Der Look

Ich habe gerade erwähnt, dass Film bei weniger Licht eine schlechtere Bildqualität liefert als digitale Sensoren. Das mag technisch betrachtet richtig sein, bildet aber eigentlich nur einen Teil der Wirklichkeit ab. Denn während sich die Hersteller im digitalen Bereich seit Jahren erfolgreich mühen, ihre Kameras immer lichtempfindlicher zu machen und das Rauschen so weit einzudämmen wie möglich, findet man unter den Film-Liebhabern nicht wenige, für die das Filmkorn so etwas wie der Charakter oder gar die Seele oder einer jeden Aufnahme ist.

Das ist natürlich absolute Ansichtssache, aber ich denke man kann wohl kaum leugnen, dass man auch mit analogen Kameras in allen erdenklichen Lebenslagen fantastische Bilder machen kann.

Und schließt sich dann auch der Kreis. Am Ende des Tages zählt für den Betrachter doch meistens sowieso nicht die Schärfe oder die Rauschfreiheit über die Schönheit eines Fotos. Entscheidend ist doch vielmehr das Bild als Ganzes. In allen Zeitaltern haben Menschen mit allen möglichen Mitteln überragende Ergebnisse geschaffen. Insofern ist die digitale Technik für mich nicht besser und nicht schlechter als die digitale, sondern einfach anders.

Heißt das dann, dass ein „Bild mit Seele“ analog aufgenommen werden muss? Natürlich nicht! Aber auf der Suche nach dieser „Seele“, diesem „Charakter“ können all die beschriebenen Aspekte der analogen Technik helfen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Engelaufgenommen mit einer gut 25 Jahre alten Mamiya RB67
 

Hochzeitsfotografie analog

Auch auf Hochzeiten kann mit Filmkameras schöne Ergebnisse erzielen. Wenn man will auch mit einem „Look“, der sich deutlich von dem unterscheidet, was wir in dieser Hinsicht gewohnt sind zu sehen. Strahlend Weiss kann auf Wunsch auch analog auf Ihrer Hochzeit oder Ihrem Event fotografieren. Ein Teil des Paar- oder des Braut-Shootings auf Film, das geht immer. Von rein analogen Einsätzen würden wir bei Hochzeiten und Events aber grundsätzlich eher abraten. Denn wenn es schnell gehen muss und viele Bilder ausdrücklich gewünscht sind, können die analogen Hobel die Stärken (so wie ich sie verstehe) kaum richtig ausspielen. Da wäre ein gesondertes Paar- oder Braut-Shootings jenseits der Hochzeit im Studio oder an einer besonders schönen Location vermutlich die bessere Wahl.

Falls Sie Interesse bekommen haben, sprechen Sie uns einfach auf das Thema an. Wir beraten Sie gerne.

Ihr

Daniel Halbsguth

 

PS: Ach ja, und wenn Sie noch mehr von den Bildern sehen möchten, dann finden Sie noch einige auf meiner Flickr-Seite unter

https://www.flickr.com/photos/naftade/

 

SchmiedNikon F80 - Tmax 100

Flower Power 3diesmal mit Farbdia Rolleichrome

altes Telefon?Kodak Tmax 400

 

PPS: Und falls Sie sich fragen, wo man heutzutage überhaupt noch Filme kaufen kann, dann empfehle ich Ihnen, dass Sie sich mal diese Seiten hier ansehen:

https://www.macodirect.de/

https://www.fotoimpex.de/

 


Kommentare

Alex(nicht registriert)
Sehr schöne Bilder!
Und dem Inhalt kann ich mich nur voll und ganz anschließen.

Film Rulez!
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